Transalp 2018, 11. Etappe

Rifugio Don Barbera - Ligurische Grenzkammstrasse - Ventimiglia

82 km, 1'118 hM, 5h44'

 

Bereits bricht der letzte Tag unserer Westalpentour an. Es steht noch der Rest der Ligurischen Grenzkammstrasse an, bevor der letzte Singletrail abgefahren wird. Dieses letzte Frühstück war noch einmal unterirdisch mager aufgestellt. In einem Rifugio mit mehrheitlich Wanderer und Biker muss doch ein währschaftes Frühstück auf den Tisch.

 

Panorama am frühen Morgen von meinem Bett aus, herrlich.
Panorama am frühen Morgen von meinem Bett aus, herrlich.

Schnell hatten wir unser kümmerliches Morgenessen verdrückt und machten uns auf den Weg. Vom Colle Signiori, auf den wir als erstes wieder zurück mussten, sahen wir weit im Westen die gestern zurückgelegte Strecke.

 

Im ersten Anstieg sahen wir auch lange zurück auf das Rifugio. Es war noch schön kühl und angenehm zu fahren, der Weg auch nicht grob und (noch) ohne Geholper.

 

Panorama von der Ligurischen Kammstrasse Richtung Süden
Panorama von der Ligurischen Kammstrasse Richtung Süden

Bis an den Fuss zum Tanarello ging es nun kilometerweit mehrheitlich leicht abwärts. Immer wieder hörten oder sahen wir Kuh- und Schafherden, die Herdenschutzhunde beachteten oder bemerkten uns zum Glück nicht. Vor der letzten Alp am Tanarello hatte ich schon lange ein Trauma, mein Erlebnis damals auf meiner Tour war noch nicht vergessen. Diesmal war aber Betrieb auf der Alp und die Herdenschutzhunde schliefen, so dass sie uns auch nicht bemerkten. Nun ging es hoch zum Passo del Tanarello, wir waren immer noch auf 2'045 M.ü.M.

 

Panorama vom Tanarello
Panorama vom Tanarello

Was dann kam war einfach nur brutal. Die Abfahrt vom Tanarello bis zum Colle Ardente ist dermassen steinig und rau, dass man nur in gemächlichem Tempo vorwärts kommt, mit dem Hardtail sowieso. Über die Pässe Sanson und Bertrand bis zum Passo della Valletta wurde es dann wieder besser und wir kamen zügig voran. Obwohl man gefühlt mehrheitlich abwärts fährt, ist man hier immer noch auf 1'900 M.ü.M.

 

Hier begann nun der Trail, auf den wir uns noch freuten. Ich hatte bereits im Internet Bilder gesehen, hier wurde er auch Bicknell Trail benannt. Knapp zehn Kilometer führt er oft ziemlich ausgesetzt und mit einigen kleineren Gegensteigungen versehen spektakulär bis zum Col de Muraton, dem letzten von 46 Pässen unserer Tour. Gute, einige davon sind nicht wirkliche Pässe und liegen in einer Senke, haben aber eine offizielle Bezeichnung. An einem heissen Südhang war auch alles voller wildem Lavendel, wunderschön. Gegen Ende wurde der Trail auch wieder rauer, so dass wir uns nun doch nach einer einigermassen ruhigeren Abfahrt sehnten. Aber wir mussten uns noch gedulden, die finale Abfahrt bis zu den ersten Häusern im Valle Nervia schüttelte uns ebenfalls noch richtig durch. Als wir zum ersten mal seit zwei Tagen wieder auf eine Teerstrasse kamen, meinte Fred, das sei wie Weihnachten.

 

In Dolceaqua konnten wir dann endlich unser langersehntes kühlendes Getränk ergattern. Nun war es also vorbei, es ging nur noch auf Teer bis ans Meer und es war sehr heiss hier unten. Bei der Ortstafel Ventimiglia mussten wir einen asiatischen Touristen fast nötigen, dass er von uns dieses historische Bild schoss. Am Strand von Ventimiglia wurden wir schon mit Bier zum Finisherfoto erwartet. Nach ein paarmal leer schlucken ob des Erlebten stürzten wir uns jauchzend ins Mittelmeer.

 

Da wir bereits um 15 Uhr abfahrbereit waren, fuhren wir noch am selben Tag via Turin, Simplon und Lötschbergtunnel zurück nach Hause.

 

Fazit

Diese Westalpentour ist ein prägendes Erlebnis, das ich wohl nie vergessen werde. Es hat einfach alles gepasst, von der Tourenplanung über die Zusammensetzung der Gruppe bis zum Wetter. Das urtümliche Biken in wilden Gegenden kam noch voll zum tragen. Weitere Mehrtagestouren sind auf jeden Fall bereits in Aussicht.

 

Die doch recht happigen Tagesabschnitte machten uns überhaupt keine Probleme. Wir waren weder körperlich noch moralisch irgendwann am Anschlag und haben nie gegen einen "Kontrollschluss" gekämpft. Wir hatten auch unterwegs genügend Zeit, die Landschaft zu geniessen und ausgedehnte Pausen einzulegen. Es war auch nicht das Ziel, jeden Tag bereits im frühen Nachmittag am Ziel zu sein. Mit wenigen kleinen Änderungen kann ich die Tour jedem Westalpenliebhaber nur empfehlen.

 

Die Erfahrungen mit dem Gepäck aus der letztjährigen Mont Blanc Umrundung konnte ich wieder 1:1 umsetzten. Mit der genau gleichen Packliste hatte ich wiederum weder zu viel noch zu wenig Gepäck dabei.

 

Die Buchung aller Übernachtungen zum voraus hat sich sehr gelohnt. Entspannt konnten wir jeweils die Tagesetappe machen mit der Gewissheit zu wissen, wo man übernachtet. In den meisten Unterkünften mussten wir nur für die effektiv Anwesenden bezahlen, die Kosten für die Ausgefallen wurden auch ohne Stornierung meistens erlassen.

 

Statistik

805 km

25'429 Höhenmeter, davon rund 5'400 schiebend oder tragend

77h45' Bewegungszeit

46 Pässe (alles was als Pass bezeichnet ist, auch Pässe in einem Gebirgssattel)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Spoony (Samstag, 15 September 2018 19:52)

    Endlich hatte ich Zeit und Musse um deinen wunderbaren Bericht nachzulesen. Was für eine fantastische Tour! Die Bilder bringen die einsamen Täler und Übergänge gut zur Geltung und ihr habt wohl wirklich viel Spass gehabt. Respekt was ihr da in eurem Alter für Tagesetappen wegpedalt bzw -trägt. Ich müsste wohl die Tage verdoppeln! Zum Glück gibt es noch einige Blogger im Land, die etwas mehr erzählen als gefilterte Bilder auf Instagram. Herzlichen Dank und LG, Spoony

  • #2

    Sven (Montag, 17 September 2018 09:10)

    Hat spass gemacht euch hier virtuell begleiten zu dürfen, MERCI!
    Die letzten bilder hier lassen nur erahnen, wie ihr euch gefühlt habt, dieses abenteuer erfolgreich absolviert zu haben. Für das was ihr hier in den tagen erlebt habt, reicht bei vielen eine ganze bikesaison nicht, hut ab vor dieser leistung. den pool bis ende september hast du dir jedenfalls redlich verdient ;)