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3-Tagestour im Oberwallis, Tag 2

Für diesen zweiten Tag war mir die geplante Strecke bis nach Riale völlig unbekannt. Meinen Recherchen nach stellte ich mich auf einen Wandertag mit Bike ein, aber ich liebe es bekanntermassen, unbekannte Trails auszuprobieren. Da die Etappe kurz war, hatte ich jedoch alle Zeit der Welt, es wiederum gemütlich anzugehen.

 

Nach einer ruhigen Nacht kündigte sich wiederum ein wunderschöner Tag an. Einfach ein Genuss, am frühen Morgen vor der Hütte die herrlichen Panoramen zu geniessen und die frische Bergluft einzuatmen.

Nach dem feinen Frühstück machte ich mich bald auf den Weg. Der kurze Aufstieg zum Albrunpass war mit dem Bike auf den Schultern schnell geschafft.

 

Statt wie in den meisten Berichten beschrieben, fuhr ich nicht zur Alpe Devero runter, sondern querte kurz nach dem Albrunpass rüber zur Alpe Forno Inferiore. Wie ich bereits vermutet hatte, war nicht viel fahrbar, alles ziemlich verblockt, nur einzelne kurze Abschnitte konnte man aufsitzen.

Auf der Alpe Forno Inferiore bog ich dann links ab Richtung Scatta Minoia. Nach abwechslungsreichem Aufstieg mit schieben und tragen, aber wiederum auch mit kleinen fahrbaren Abschnitten, gelangt man auf ein kleines Plateau mit einigen kleinen Seelein. Wundervoll diese Landschaft, einsam und unberührt.

Der Blick zur letzen Wand lässt daran zweifeln, ob man durch diese riesige Geröllhalde mit mannsgrossen Felsbrocken überhaupt hochkommt. Ein steiler Bergweg führt jedoch mitten durch, Trittsicherheit ist gefragt, bevor man schweisstreibend die Schutzhütte auf 2'599 M.ü.M. erreicht.

 

Panorama vom Scatta Minoia
Panorama vom Scatta Minoia

Die Einsamkeit und die Aussicht auf dem Pass war einmal mehr atemberaubend, ja schon fast berauschend.

Der Abstieg zum Lago Vannino war dann ziemlich durchzogen. Die ersten 200 Tiefenmeter sind ein wahrer Balanceakt durch Geröllfelder, wie ich es selten erlebt habe. Jeder Tritt muss gut überlegt sein. Aber auch weiter unten viel Geschiebe, der Weg ist immer wieder verblockt, die paar fahrbaren Abschnitte liessen keinen Flow aufkommen. Erst dem See entlang zur Alpe Vannino konnte man dann einigermassen Biken, jedoch auch hier immer wieder unterbrochen von Hindernissen.

 

Eigentlich hatte ich geplant, unmittelbar nach der Alpe Vannino noch den Passo di Nefelgiu anzuhängen, aber nun hatte ich doch keine Lust mehr auf weitere Abenteuer. Nach einer ausgiebigen Pause im Rifugio Margaroli fuhr ich dann auf einer schnellen Schotterstrasse runter zum Sagersboden und weiter nach Canza. Hier trifft man auf die Teerstrasse nach Riale. Die 300 Höhenmeter auf der Strasse waren nicht gerade angenehm im italienischen Ausflugsverkehr, aber schnell geschafft.

 

In Riale gelangte ich dann wieder auf mir bekanntes Gebiet aus den Touren über den Griesspass. Ich freute mich auf den langen Aufstieg über die alte Militärstrasse mit den schön ausgebauten Kurven im oberen Teil. Einige Wolken verdeckten die heisse Sonne, es war richtig angenehm.

 

Entlang des Lago Toggia fuhr ich zum Passo San Giacomo. Bei Wurst und Käse genoss ich auf der Alpweide die wundervolle Bergstimmung.

 

Nun stand als Leckerli noch für mich einer der schönsten Trails der Alpen an, nämlich von der Kapelle San Giacomo hoch über der Nufenen-Passstrasse Richtung Corno Gries. Flow bis zum abwinken, einfach ein Traumtrail. Erst die letzten Höhenmeter zur Capanna Corno Gries, meinem Tagesziel, mussten noch geschoben werden.

 

Capanna Corno Gries
Capanna Corno Gries

Bereits die Fahne mit der Aufschrift Bike Stop lässt erahnen, dass man hier als Biker sehr willkommen ist. Auch hier sehr freundlicher Empfang vom jungen Hüttenteam, ebenfalls konnte ich mein Bike in einem Abstellraum unterbringen. Ein leckerer Viergänger rundete den gemütlichen Abend mit deutschen Wandersleuten ab.

 

Fazit des Tages: Ein Versuch war diese Direttissima vom Albrunpass nach Riala wert, aber biketechnisch völlig sinnfrei, wie meiner Meinung nach überhaupt der Albrunpass.

 

36 km, 1'793 hM

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Kommentare: 1
  • #1

    ROTSCHER (Montag, 07 September 2020 21:23)

    Ich habe den Albrunpass vor vielen Jahren auch während einer 2-Tagestour gefahren. Ich habe den Pass sehr gut in Erinnerung. Wir sind jedoch runter via Lago di Dèvero bis Baceno und dort übernachtet. Am zweiten Tag muss man das ganze Tal bis Riale hoch. Dies ist etwas Pflichtstoff, oder warmrollen. Dann San Giacomao, Griespass, Nufenenpass und zurück ins Wallis.
    von der ganzen Strecke ist der kurze oberste Teil nach dem Albrun wohl das einzige nicht fahrbare Stück. Der Rest der Abwärtsmeter sind super. Daher finde ich diese Rundtour immer noch empfehlenswert ;)
    Ich hatte die direkte Überquerung, wie sie du gemacht hast, auch schon studiert. Dein Beitrag zeigt nun, dass meine Variante für Biker eindeutig besser geeignet ist ... und der Albrun wieder Sinn machen kann :)